VDA 6.3 Prozessaudit – Lieferantenaudit Automobilindustrie
- 20. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
VDA 6.3 erklärt: Prozessaudit für Lieferanten in der Automobilindustrie. Anforderungen, Module P1–P7, Bewertungssystem und Nutzen.
VDA 6.3 Prozessaudit: Lieferantenaudit in der Automobilindustrie verstehen
In der Automobilindustrie sowie bei Lieferanten der Stufen 1, 2 oder 3 reicht Qualität heute weit über ein konformes Dokumentationssystem hinaus.Sie zeigt sich vor allem vor Ort – in der tatsächlichen Beherrschung der Prozesse.
Genau hier setzt der VDA-6.3-Referenzrahmen an, der inzwischen als unverzichtbarer Standard für Lieferantenaudits und Produktionsaudits gilt.
Der von der VDA (Verband der Automobilindustrie) entwickelte Standard VDA 6.3 dient dazu, die Fähigkeit industrieller Organisationen zu bewerten, zuverlässig, reproduzierbar und gemäß den Kundenanforderungen zu produzieren.

Was ist der VDA-6.3-Referenzrahmen?
Der VDA 6.3 ist ein Prozessaudit-Standard, der hauptsächlich in der Automobilindustrie eingesetzt wird.Im Gegensatz zu Systemaudits wie ISO 9001 oder IATF 16949 konzentriert er sich nicht auf die bloße Existenz von Verfahren, sondern auf deren konkrete Umsetzung im operativen Alltag.
Ein VDA-6.3-Audit überprüft, ob die Prozesse:
klar definiert sind,
beherrscht werden,
die erwarteten Ergebnisse liefern,
und eine frühzeitige Identifikation von Qualitäts- und Prozessrisiken ermöglichen.
Der Standard wird häufig von Automobilherstellern und Zulieferern gefordert, insbesondere im deutschsprachigen Raum.
VDA 6.3 vs. Systemaudit: Unterschied zwischen Prozess- und Systemaudit
Der spezifische Ansatz des VDA-6.3-Prozessaudits
Das VDA-6.3-Prozessaudit analysiert, was tatsächlich im Unternehmen passiert:
in der Entwicklung,
in der Produktion,
in der Logistik,
sowie im Umgang mit Nichtkonformitäten.
Dabei werden die Kundenanforderungen konsequent den realen Abläufen vor Ort gegenübergestellt.Die festgestellten Abweichungen machen häufig strukturelle Schwachstellen sichtbar, die bei rein dokumentenbasierten Audits unentdeckt bleiben.
Aufbau des VDA-6.3-Standards: Module P1 bis P7
Der VDA-6.3-Referenzrahmen ist in mehrere Prozesselemente gegliedert, die als Module P1 bis P7 bezeichnet werden.
P1: Lieferantenpotenzialanalyse
Das Modul P1 bewertet die Fähigkeit eines Lieferanten, die Anforderungen vor Projektstart zu erfüllen. Es spielt eine zentrale Rolle in der Lieferantenauswahl, beim Sourcing und bei der Lieferantenfreigabe.
P2 bis P4: Produkt- und Prozessentwicklung
Die Module P2 bis P4 analysieren unter anderem:
das Projektmanagement,
die Berücksichtigung der Kundenanforderungen,
die Produktentwicklung,
sowie die Entwicklung der Produktionsmittel.
Sie sind entscheidend, um die frühen Projektphasen abzusichern und spätere Abweichungen in der Serie zu vermeiden.
P5 bis P7: Produktion, Logistik und kontinuierliche Verbesserung
Die Module P5 bis P7 befassen sich mit:
der Serienfertigung,
der Beherrschung von Sonderprozessen,
der Logistik,
dem Management von Nichtkonformitäten,
sowie der kontinuierlichen Verbesserung.
In diesem Bereich werden häufig die operativen und produktionstechnischen Risiken identifiziert.
Bewertungssystem und Ergebnisse des VDA-6.3-Audits
Der VDA 6.3 basiert auf einem präzisen Bewertungssystem.Jede Frage wird anhand des beobachteten Beherrschungsgrades bewertet.
Die Ergebnisse ermöglichen es:
Prozessrisiken frühzeitig zu erkennen,
Lieferanten objektiv zu vergleichen,
gezielte Maßnahmenpläne zu definieren,
und über Serienanlauf, verstärkte Überwachung oder Beendigung der Zusammenarbeit zu entscheiden.
Ein gutes Audit-Ergebnis ist nur dann aussagekräftig, wenn es eine nachhaltige und reale Prozessbeherrschung widerspiegelt.
Warum VDA 6.3 ein strategisches Instrument für Lieferanten ist ?
Obwohl der VDA 6.3 häufig als anspruchsvoll wahrgenommen wird, ist er in Wirklichkeit ein leistungsstarkes Instrument der kontinuierlichen Verbesserung.
Er macht sichtbar:
menschliche Abhängigkeiten,
nicht formalisierte Praktiken,
organisatorische Schwachstellen,
sowie nicht antizipierte Risiken.
Richtig eingesetzt stärkt er nachhaltig Qualität, industrielle Performance und Kundenbeziehungen.
Die Rolle des externen VDA-6.3-Auditors
Ein wirksames VDA-6.3-Audit basiert auf:
einem tiefen Verständnis industrieller Umgebungen,
einer präzisen Analyse der Prozesse,
einer pragmatischen Risikobetrachtung,
sowie einer ausgewogenen Haltung zwischen Anforderung und Begleitung.
Das Ziel ist nicht die Sanktion, sondern die nachhaltige Weiterentwicklung der auditierten Organisation.
VDA 6.3 als Steuerungsinstrument für Qualität und Performance
Der VDA-6.3-Referenzrahmen ist heute ein unverzichtbarer Standard für Unternehmen der Automobilindustrie und deren Lieferanten. Gut vorbereitet und professionell begleitet wird er zu einem echten Steuerungsinstrument für Qualität, Prozesse und industrielle Leistungsfähigkeit.
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